Draisine, Wasserkraft und Schiefer
Am Samstag unternahmen wir einen ganz besonderen Ausflug. Wir waren auf dem Bahnstreckenabschnitt „Lückenmühle – Ziegenrück“ unterwegs mit einer Draisine. Der Verein Thüringer Oberlandbahn e.V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese historische Infrastruktur vor dem Verfall und dem endgültigen Abriss zu retten. Dabei helfen u. a. die grandiosen Draisinenfahrten. Unser Schaffner Bernd machte aus der ohnehin schon spektakulären Fahrt ein echtes Erlebnis, indem er sein großes Wissen mit uns teilte und zusätzlich die besten Anekdoten aus seiner 10jährigen Fahrtätigkeit zum Besten gab. Wir hatten enorm viel Spaß.
Der befahrene Abschnitt ist landschaftlich einer der reizvollsten Teile der Thüringer Oberlandbahn (ehemals Kursbuchstrecke 565), die einst Triptis mit Marxgrün verband. Der reguläre Bahnverkehr wurde hier 1998 eingestellt. Die Strecke windet sich durch das steile, waldreiche Tal der Wysburg-Region und das Schiefergebirge hinab zur Saale nach Ziegenrück. Auf nur wenigen Kilometern mussten enorme Höhenunterschiede überwunden werden. Deshalb prägen enge Kurvenradien, tiefe Einschnitte, vier Tunnel und spektakuläre Viadukte diesen Abschnitt. Dabei ist die Ziemestalbrücke das unbestrittene Kronjuwel der gesamten Strecke und ein technisches Denkmal von nationalem Rang.
Im Anschluss an die Fahrt gab es eine Stärkung in Form der beliebten „Wörschtla und Stängla“, bevor es weiter ging zum Wasserkraftwerk „Fernmühle“.
Das heutige Museum befindet sich in einem geschichtsträchtigen Originalbauwerk. Bereits im Jahr 1258 wurde die „Fernmühle“ an der Saale erstmals urkundlich erwähnt und jahrhundertelang als Mahl-, Schneid- und Ölmühle genutzt. Zur Jahrhundertwende wurde die alte Mühle abgerissen und an ihrer Stelle das Laufwasserkraftwerk Fernmühle errichtet. Es ist damit eines der ältesten noch im Original erhaltenen Laufwasserkraftwerke Deutschlands. 1920 übernahm die Firma Carl Zeiss Jena die Anlage. 1965 wurde der Betrieb vorübergehend eingestellt. 1997 reaktivierte der Energiekonzern Vattenfall einen Teil der Anlage, sodass das historische Kraftwerk heute wieder umweltfreundlichen Strom erzeugt.
Das Wasserkraftmuseum Ziegenrück zeigt u. a. die Saalekaskade: Herzstück ist ein großes Reliefmodell, das das imposante System der fünf Talsperren an der oberen Saale (u. a. Bleiloch- und Hohenwartetalsperre) anschaulich erklärt. Im Hochspannungsraum wird es spektakulär. Bei regelmäßigen Vorführungen werden künstliche Blitze erzeugt, um die Entstehung und Bändigung von Elektrizität hautnah zu demonstrieren. Im Außenbereich gibt es eine beeindruckende Sammlung historischer Turbinen und Wasserräder sowie eine Wasserrad-Modellanlage, an der man selbst aktiv werden kann.
Nach so viel Input durfte es nun ein Eis zur Stärkung sein, dann machten wir uns auf zum letzten Ziel des Tages:
Auf dem Heimweg stoppten wir noch am technischen Denkmal und Staatsbruch in Lehesten. Hier befand sich einst einer der größten Schiefertagebaue Kontinentaleuropas. Das „Blaue Gold“ aus Lehesten prägte jahrhundertelang die Dächer in ganz Deutschland. Das Denkmalareal bewahrt einzigartige Zeugnisse der Bergbaugeschichte, darunter die Doppelspalthütte von 1898 und eine hölzerne Göpelschachtanlage von 1845. Nach dem Ende des Abbaus (1999) füllte sich der tiefe Tagebau mit Wasser. Heute liegt mitten im Areal der spektakuläre, tiefblaue Schiefersee, der von steilen, dunklen Schieferwänden umrahmt wird.
Zum Abschluss kehrten wir noch im Gasthaus „Bauernhannla“ ein und ließen den Tag gemütlich ausklingen.
Diesmal gibt es richtig viele Bilder zu sehen und auch etwas mehr Making-Of-Aufnahmen als gewohnt – es lohnt sich:


